Mittwoch, 11. April 2012

Fuck the diet
„Du Darfst“ deine Ernährung ficken...

Da schreibe ich noch letzte Woche großartig davon, dass Frauen umweltverträglicher sind und jetzt kommt raus: anscheinend sind wir auch dümmer als bisher angenommen. Zumindest wenn man die neue Werbekampagne von „Du Darfst“ betrachtet. Da haben sich die kreativen Horbrillenträger ja mal wieder ein super „hippen“ Slogan ausgedacht: Fuck the diet… Meine Damen und Herren, heute abend sing(k)t für Sie: das Niveau.

Die Kampagne
Jetzt erstmal zu den Tatsachen. Unilever war im letzter Zeit oft in der Presse aufgrund des „Becel-Skandals“. Wir erinnern uns einmal kurz zurück, dass Anfang des Jahres Foodwatch gegen Unilever Klage eingereicht hat, aufgrund von Etikettenschwindel. So befinden sich laut Kläger keinerlei Hinweise auf Nebenwirkungen, die beim Verzehr von Becel auftreten können. Jetzt greift Unilever wohl zum Gegenangriff und denkt sich: Ja gut, dann pushen wir halt ein anderes Produkt ordentlich. Der Fokus wurde dabei wohl auf die Marke „Du Darfst“ gelegt. Ich selbst verbinde „Du Darfst“ stets mit dem Spruch: Wer ist eigentlich Paul. Eine gelungene Werbung. Doch nun übernahm Ogilvy & Mather die kreative Leitung der Kampagne. Hier ist vielleicht kurz einmal einzufügen, dass die Werbemacher bekannt für ihre kleinen Skandale sind. So wurden Kampagnen wie das Chef-Ticket für die deutsche Bahn oder die Media Markt Weihnachtskampagne (Weihnachten wird unterm Baum entschieden) von den Kritikern in der Luft zerrissen.
Fakt ist auf jeden Fall: Deutschland zerreißt sich das Maul über die Kampagne. Der Skandal:

  1. Warum muss es ein englischer Slogan sein (Fuck the diet)?
    Ja gut, Fick deine Ernährung würde sich wohl dann doch etwas derbe anhören.
  2. Warum muss es das F-Wort sein?
    Auf der Facebook-Seite der Kampagne wird jedoch bereits mit F*** zensiert. Ob das hilft, wenn im Vorabendprogramm der Spot läuft, der mit dem Slogan endet? Schön an die Kiddies gedacht, danke Oligvy & Mather.

Will Unilever also gezielt schocken?
Oder warum fiel die Wahl auf die skandalöse Werbeagentur?
Da steigen Eltern, Pädagogen und, ja, auch wir Frauen auf die Barrikaden. Wörtlich übersetzt würde es „Fick deine Ernährung“ bedeuten. Ja, diet wird aus dem englischen häufiger mit Ernährung übersetzt, als tatsächlich mit Diät im Sinne von Gewichtsreduzierung. Ganz abgesehen davon, dass das nette Wort ficken mit eingebunden wurde. Ist die deutsche Sprache bereits derartig verkommen?

Ich selbst zählte mich bislang eigentlich zur Zielgruppe von „Du Darfst“. Soll mich nun also dieser Spruch tatsächlich positiv dazu animieren, die Produkte zu kaufen? Nein, nicht wirklich. Die Zielgruppe ist mit der neuen Kampagne eindeutig auf ein jüngeres und vor allem derbes Publikum gerichtet. Schade eigentlich, denn ich bezweifel, dass die überteuerten Markenprodukte von Unilever von diesem Zielpublikum gekauft wird.

Dabei ist die Intension der Kampagne eigentlich ganz schön. Der Gedanke „Ich will so bleiben, wie ich bin“ ist ein wunderbarer Ansatzpunkt für eine Kampagne. Haben wir es nicht alle satt: Ständiges Kalorien zählen. Mittlerweile bekomme ich sogar schon Spammails, die mir nicht nur Viagra verkaufen wollen, sondern mir sogar sagen "Maya, fühlen Sie sich zu dick?" Herzlichen Glückwunsch, da steigt die Laune sofort.

Da finde ich eigentlich die Grundidee hinter der „Du Darfst“- Kampagne echt eine willkommene Abwechslung. Dass jedoch in dem Spot Hungerhaken herumspringen, die herzhaft in ein Käsebrötchen beißen und ausstrahlen „Diät hab‘ ich nicht nötig – ich fühl mich super“ ist schon etwas stark übertrieben und wirkt nur minimal unglaubwürdig. Dabei haben die Filmemacher sich doch was gedacht und speziell für den Spot nur Laien-Models ausgewählt um authentischer zu wirken – is klar. Ziel verfehlt, würde ich mal sagen. 

Wir dürfen also gespannt bleiben, ob der Gegenangriff von Unilever bezüglich den Diät-Hypes positiv aufgenommen wird, oder ob die Kampagne schneller verschwindet, als sie eigentlich aufgekommen ist...

Kommentare:

  1. Was sagt man dazu.. Die Kreativen waren wieder einmal gar nicht so kreativ, sondern haben das gemacht, was sie am besten können: GEKLAUT. Beim Stöbern bin ich hierauf gestoßen... http://www.fuckthediets.com

    Unglaublich..... Der Blog geht zurück bis ins Jahr 2010! Gut gemacht, meine lieben Hornbrillenträger.

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  2. Oh cool, solche E-Mails mit "fühlen Sie sich zu dick" habe ich noch nie bekommen. Werde mich dann jetzt aber mal darauf einstellen, dass mir da zukünftig auch passieren kann. Ein toll geschriebener Artikel.
    Ich komm jetzt mal öfters luschern

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    1. Danke für das Lob :) Komm gerne öfter vorbei, ich freu mich.

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